Donnerstag, 26. Juli 2007

morning impression

Da schau her wie schnell ich wieder poste....

Wollte das hier schon seit Tagen nieder schreiben:

Am ersten Tag an dem ich mich wieder gesund gefuehlt habe, hab ich den Spaziergang zum Delek so derart genossen, dass ich enorme Gluecksgefuehle entwickelt habe, an denen ich euch teilhaben lassen will....war das grad deutsch?

Ich wache auf mit den zarten Klaengen einer Gebetsmuehle, die tgl. zu etwa der selben Zeit erklingt, danach geh ich raus, es riecht nach Raeucherstaebchen und die Marktlaeute bauen schon eifrig ihre Staende auf. Noch sind die Strassen voll von Kuhkake, aber die verschwindet im laufe des Tages. Ich geh vorbei an der Leprakranken Frau die immer mit einer 2l Flasche Sprite am Strassenrand sitzt und mir ein freundliches aber eindringliches NAMASTEEEEE ins Ohr posaund, meint soviel wie, "gib ma do a poar ruppees" Weiter fuehrt mich mein Weg am Lager der Obdachlosen und Kranken vorbei, die noch zu muede sind um mir ihre Haende entgegen zu strecken - wir laecheln uns einfach zu... Heute begleitet mich wieder einer der lieben Strassenhunde, ein mittelgrosser, schwarzer mit buschigen Schwanz der vor Wochen von einem Taxi angefahren wurde und seitdem eine Pletschn (fuer alle Vorarlberger: Rufa ?) auf seinem Kopf hat, ich hab nu ein Keks dabei ueber das er sich schwanzwaedelnd freut. Rein gehts in mein allmorgendliches-Lieblingscafe und dann die Strasse beim Tempel vorbei, wo schon die Tibeter ihre Runden mit den Gebetsmuehlen ziehen, weiter an einem Ashram aus dem sich ueberschlagende Indische Gebets-tuedldue-funky-music gemischt mit Raucherstaebchenduft dringt. Am Eingang kehrt der grauhaarige Hueter des Tempel gerade zusammen, mit den Haaren zu einer vornehmen Guruknoedel gedreht, und einem laaangen weissen Bart... Weiter gehts abwaerts, der Nebel steigt aus dem Tal auf und man kann die umliegenden Reisfelder schemenhaft erkennen. Aus den Strassenloechern blubbert froehlich Wasser heraus und bildet kleine Fluesse die mich begleiten. Ich komme beim RoyalEnfield Workshop vorbei in dem den ganzen Tag lang froehlich gezangelt wird und der so immer Treff aller Kulturen ist- vom haengengebliebenen Westler ueber den Tibetischen Businessman zum indischen Poser ist alles vertraeten. Auf der haelfte meines Weges begegnen mir dann die indischen Arbeiter die teilweise mit Kindern, gehuellt in bunte Saris den langen Weg nach mcleod gehen um dort den ganzen Tag auf Baustellen zu schuften. Ich habe noch nie in meinem Leben Menschen so hart koerperlich arbeiten sehen. Die Lasten die die Frauen auf ihren Koepfen tragen sind schon vom alleine nur hinschauen kaum zu ertragen : Steine, Lehm, Erde...in Koerben auf den Koepfen, den Berg hinauf und hinab, in die Mischmaschine rein etc. Schliesslich erreiche ich das Delek Hospital und werde wie jeden Tag total lieb von den Reinigungsfrauen gegruesst...der Tag kann beginnen, ich bin gluecklich.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Basisarbeit

Krank sein in Indien ist kein Spass!
Letzte Woche war es dann so weit, die grosse Krankheit ist ueber mich hergefallen. Nachdem ich mich schon am Wochenende unpackbar muede gefuehlt habe, konnte ich 2 Tage mal nicht aus dem Bett, verspuerte keinen Appettit, das was ich ass schmeckte nicht und ich begann in ein tiefes Loch aus Selbstmitleid, Schmerz und Heimweh zu fallen. Dazu kam Fieber und als i-Tuepfchen eine wassrige Diarrhoe dass es dich nimma aus dem Haus gehen freut... So sieht das also aus wenn man alleine im Zimmer liegt, fiebrig, scherzhaft und niemand bringt einem Tee, es gibt keinen Zwieback zu essen, und niemand legt einem die Hand auf die Stirn und bemitleidet einem. Das kann ziemlich an die Substanz gehen, also bin ich zu meinen Kolleges ins Delek Hospital gefahren und hab mich mal kraeftig ausgeheult. Ich bin drauf hin auf 2 Antibiotika gesetzt worden, wobei mir von dem einen so sau uebel geworden ist, dass es mit dem Essen wiederum nichts geworden ist. Also noch mehr Medikamente damit ich meine Aeuglein aus den Hoehlen bringe und nicht komplett dehydriere....das war also meine letzte Woche in McLeod. Das Wochenende hat dann schon wieder komplett anders ausgesehen. Abgeschirmt durch die Antbiotika, gings auf nach Bir mit Brendeon (ehemann meiner arbeitskollegin) und meinem Lieblingsmoenchsfreund Tserin zu dessen Kloster, gemeinsam mit 3 anderen Moenchen. Und wer glaub dass man da artig und stumm im Auto sitzt hat sich geirrt- selten gibts was lustigeres als mit Moenchen auf Reisen zu gehen: da wird man auf gegrillte Maiskolben als Snack eingeladen, es werden Hunde durch haeftiges Haenderingen und Moenchisches "Zischen" von der Strasse geleitet, man macht Teepausen in Mangobaumgaerten alter indischer Koenigspalaeste, und singt dazwischen ein paar Gebete vor sich hin....ich habe das Wochenende echt genossen- wir haben einen Health Talk in Tserins Kloster gehalten, da dort die Moenche an jedem 8.Tag des tibetischen Monats den Kopf mit den selben Rasierklingen geschoren bekommen, und die Hepatitis B Rate ist nicht grad die niedrigste, also hat Brandon mal einen ganzen Haufen Rasierer gesponsert....es mangelt allerdings auch an Zahnbuersten und Zahnpaste und Seife....dafuer wuerde ich echt gern ein Projekt starten, da Hygiene sehr wichtig ist bei solchen Menschenmassen auf so engem Raum. Die Moenche haben total viele Fragen gestellt und ich war schwer damit beschaeftigt, spirituell korrekt und medizinisch richtig die Aufklaerung ueber Tuberkulose und Hepatitis B durchzufuehren....war ein total schoens Gefuehl... danach sind wir in verschiedene Kloester gefahren, ich habe meine ersten persoenlich sehr bereichernden Buddhismuslehren erhalten und muss schon zugeben, dass es schoen waere etwas von diesem Lebensgefuehl aufrecht zu erhalten.
Diese Woche fuehre ich alle meine Experteninterviews, und nachdem ich die Surveydaten jetzt doch verwenden darf, werd ich weiterhin im Public Health Office hocken und Daten einhaemmern,denn naechste Woche gehts ab nach Ladakh wenn meine sehr minimierten Kraefte es bis dahin erlauben, und ich freu mir schon den Haxn aus...

Freitag, 13. Juli 2007

Long time no see

zunaechst einmal sorry dass ich sooooo lange nichts mehr von mir hoeren hab lassen, hab natuerlich total super ausreden dafuer:
Erstens: kaum zu glauben aber war hab ich Franziska getroffen, eine ehemalige Kindergartenkollegin, die ich seit sicher 15jahren nicht mehr gesehen hab und nun in einem internetcafe hier in mcleod getroffen hab. wir haben auf jeden Fall jede Menge Spass und essen viel Fruchtsalat und Schokobaellchen mit Kokos oder Brownies.....
Zweitens: Der Geburtstag des Dalai Lama: ur viele liebe kleine Kinder die in traditionellen Gewaendern, singenderweise im Kreise tanzen vor dem ganzen Stab der hohen Lamas, bis auf den Dalai, der war nicht da. Dudelsackblaeser, Trommler, Tibet.Gitarre und mehr machten traumhaft schoene Musik und ich hatte das Gefuehl irgendwo in Lhasa zu stehen. Am Morgen ging ich die Tempelrunde zur Stupa um unter lautern Tibetern Buttertee zu trinken und Reis zu essen um nach dem Singen der Nationalhymne Tsampa in die Luft zu schmeissen = weisses Pulver zur Geschmacksverbesserung dass durch die Luft flog und die Tibeter in ihren Feiertagsgewaendern unter den bunten Gebetsfahnen in weisse Wolken tauchte. Es war wirklich sehr schoen und am naechsten Tag gingen die Teachings los zu denen ich 2 mal hinschaute, und da war er dann, der Dalai Lama hoechst persoenlich , zum Greifen nahe schritt er vorbei bei uns mit einem dicken Grinser, die Leute segnend, von Moenchen mit riesen Raeucherstaebchen begleitet....Soooo aufregend!!!!
Drittens: ich hackle im Krankenhaus sooo viel an dem Projekt, wir haben ein Meeting fuer die ganzen health worker gemacht um sie in die studie einzuweisen und danach in das nationale Tuberkuloseprogramm. Dazu kann ich nur eines sagen: WENN DIE KANE KEKS HAM GEMMA WIDA HAAAM. Also um es mal harmlos auszudruecken: ohne tee und kekse geht in indien gar nichts!!!! Und dann hoert man als erste Antwort auf die Anfrage, ob sie denn zum Meeting kommen glatt: wer zahlt denn Tee und Kekse??? Unbelievable wuerd ich mal sagen.
Viertens: nachdem ich jetzt schon ein Monat da bin kenn ich die Haelfte aller Tibeter hier, weshalb ich kaum Zeit finde ins Internet zu gehen, das ist aber doch sehr positiv wuerd i mal meinen ;) drum zieh ich jetzt meine Runden...am Sonntag gibts grosse Puja (gebet) fuer den Dalai Lama (long life), das wird sicherlich schoen, und morgen hab ich frei, das heisst es gibt porridge zum fruehstueck (haferschleim, der braucht imma a bissi laenger bis dass er kocht ist :))

Mittwoch, 4. Juli 2007




die kleine Uta und die grosse Welt

Wow, so fuehlt sich also "komplette" Abgeschiedenheit an": das Internet hat seit Samstag nicht funktioniert, die Wertkarte meines Handys war leer, ebenso wie meine Geldtasche, also versuchte ich den Bankomat etwas Bares zu entlocken, der war leider kaputt. Kein Geld, keine Connection zur Aussenwelt, leiwond, aber, wie man hier zu sagen pflegt: that' s India.
Mittlerweile funktioniert wieder alles. Reinhard ist leider gestern abgereist, das heisst ich muss mich als Maedl ganz alleine durch die Raeucherstaebchen, Kuhscheisse, hupende Autos, Hunde und Kuehe und Esel, Motorrad, Bettler- gefuellten Strassen kaempfen. Aber auch da kann ich nur mehr sagen: that' s India. Es ist halt ur die Action und man ist immer froh nicht von einer Autorikscha niedergefuehrt worden zu sein. Mittlerweile habe ich begonnen an der Survey zu arbeiten, doch bin ich mir nicht ganz sicher ob irgendwelche Resultate innerhalb eines Jahres zu stande kommen werden, denn hier dauerts einfach a bissi laenger... naja, schau ma amal wozu man die lieben Tibeter und Inder so bewegen kann. Ich hab auf jeden Fall Kontakt zu einem Moench, wenn der grinst dann ist man ueber gluecklich und das aus tiefsten Herzen. Das nenn ich einen wahren Moench, so wie man es sich vorstellt :) ich hoff ich kann mal ein Bild machen und es dann ins Netz stellen, damit ihr auch alle bis in die Zehennaegel gluecklich seit. Wir haben ausgemacht dass er mir ein bisschen Tibetisch Unterricht gibt, mal schaun ob das zu schaffen ist- aber was ich so mitgekriegt hab, ist das nu schwerer als chinesisch. Am Freitag hat der Dalai Lama Geburtstag, das heisst dass die ganze Stadt feiern wird, und ab Samstag gibts dann eine Woche lang Teachings von ihm. Bin schon total aufgeregt und freu mich, obwohl ich bezweifle sehr viel zu verstehen- mit meiner doch eher "seichten" Spiritualitaet- mal gemessen an den Tibetern, die jeden Tag ihre Runden um das Anwesen des Dalai Lamas drehen, mit Gebetskette und Muehle geruestet, wandern sie den, mit Gebetsfahnen und bunt bemalten Steinen gesaeumten Weg mindestens einmal, aber wenn oefters, immer in einer ungeraden Zahl. Das ist so ein beruhigendes Bild, und wenn man sich hinsetzt, dann kann man ganz vielen grauhaarigen, von Schnee und Eis gealterten, mit goldenen Zaehnen laechelnden, in traditioneller indischer Kleidung wandernden Tibetern "Tashi Delek" sagen, und sie freuen sich darueber, bringen ihre Haende vor der Brust zusammen und Lachen "Tashi Delek" zurueck...
Die Tibeter sind wirklich ein herzallerliebstes Volk, diejenigen die man naeher kennen gelernt hat, werden einen immer Gruessen, sie lassen einen unter ihre grossen Regenbogenfarbenen Schirme schlupfen wenn es regnet und sind immer zuvorkommend.
Es gibt einige Schlupfwege, die einen schneller zum Krankenhaus bringen. ich gehe aber jeden Tag die etwas laengere Strasse runter, das dauert so 25min, da man mir gesagt hat, dass diese Wege nicht so safe sind wenn man allein unterwegs ist. Heute am morgen bei der Besprechung im Krankenhaus, musste ich dann feststellen, dass dies keineswegs nur gschichtln sind: eine Deutsche Urlauberin, die alleine in den Schleichwegen unterwegs war, wurde ueberfallen und den Weg hinunter gestossen. Es ist ihr gott sei dank nichts passiert, aber irgendwie hab ich schon mal schlucken muessen. Das andere krasse Gschichtl ist: jetzt geht das internet endlich wieder, und wie ich da so sitz und meine mails checke, hoere ich am NachbarPC eine bekannte Stimme: es ist eine Zwettlerin, quasi ehemals Kindergarten-Sandkasten-Kollegin, mit der ich seit dieser Zeit wohl keinen Kontakt mehr hatte. Kleine Kleine Welt. Aber um den Titel meines Blogs zu kommentieren: heute fuehlte ich mich einfach klein, unwissend, nichts vorwaerts bringend und irgendwie LOST. Drum grossen Dank an Philipp, meinen Schatz, den Meister was rettende Worte betrifft. Merci.
Und natuerlich einen lieben Gruss an Reinhard, der nun wieder unter den Waldviertlern weilt, so wie es sich gehoert, wenns mal an gscheitn Sommer gibt.
KNUDDL EUCH GANZ FEST