Am Montag war mein erster Tag im Delek Hospital- spannender als so manche Famulatur:
Das Spital wird von einem total netten Tibeter geleitet namens, und jetzt heisst festhalten: SATAN, ein weiterer wirklich kompetenter Tibetischer Arzt leitet meist die Visiten, er ist sehr jung und spricht arg-tibetisch-akzentuiertes Englisch, was es fuer mich sehr schwer machte ueberhaupt irgendetwas zu verstehen in den ersten Stunden, danke an dieser Stelle fuer die tollle Medizinische Universitaet Wien, die es mir moeglich machte einen "medical english course" zu besuchen- anyway, learning by doing ist sowieso viel besser und so lief der Tag auch ab. Nachdem ich die Morgenstunden in der Ambulanz mit einer Schottischen Aerztin verbrachte hatte, die alles von einer Krankenschwester uebersetzt bekommen hat, musste ich feststellen, dass so cirka jeder 3. Tibeter an Tuberkulose leidet und die Westler alle Durchfall hatten. Zu Mittag ging ich dann in ein mehr oder weniger prickelndes Restaurant und pickte die Reiskoerner meines 30cent veggi-reises in mich hinein, wohl wissend, dass sowohl auf der Gabel als auch auf jedem Korn ein Parasit oder Bakterium auf warten koennte und mir selbige Mieseren einprocken koennte, die ich mir nun jeden Tag in der Ambulanz ansehen darf. Am Nachmittag gings dann richtig los:
Dr.John, der Mann der schottischen Aerztin fragte mich ob ich naehen koenne, ich meinte, dass ich es einmal gemacht haette, daraufhin fand ich mich im emergencyzimmer wieder. Die Patientin, eine 20jaehrige Tibeterin mit Mutter und Freund schauen mir hilflos entgegen. Sie hatte sich beim Glaeserwaschen eine cirka 4cm lange und sehr tiefe Wunde unterhalb des kleinen Fingers zugezogen, Fett und Blut quoll heraus. Am Blechtisch neben der Pritsche fand ich eine Nierenschuessel mit Nadelhalter und Pinzette, der Arzt reichte mir noch eine Nadel mit Faden, spritzte eine riesen Portion Anaesthetikum und verschwand. Ich nahm einen nach dem anderen herumliegenen Tupfer, traenkte sie in Jod und wiederholte das solange, bis weder Jod noch Tupfer mehr vorhanden waren- es musste also sein- zitternd wie nie zuvor startete ich meine Naht, die Patientin war echt tapfer und ich war unfaehig. ich machte einfach Knoten ohne zu ueberlegen wie man das chirurgisch korrekt durchfuehrte. dabei zitterte ich so sehr, dass mich irgendwann die Mutter fragte, ob sie vielleicht die Knoepfe fuer mich machen sollte...Schweiss stand auf meiner Stirn und ich fuehlte mich hilflos. Dazu kam, dass der Freund der Patientin mir so lieb zusprach: du machst das gut, das passt schon, wird schon- wie professionell ist das bitte??? Patienten die in Narkose sind sind das eine, doch ein junges Maedel mit einer Verletzung die ich selbst vor einem Jahr hatte, das war was anderes. Finally beschloss ich einfach genug genaeht zu haben, macht nocheinmal tuechtig sauber und liess der Nurse den Verband anlegen. Die Familie bedankte sich total lieb bei mir, ich schrieb ins Krankenblatt, dass sie die Naht nach 7Tagen entfernen koennen (Krankenblaetter fuehren die Pat. alle selbst mit, es wird nichts archiviert) und verabschiedete mich um Dr.John zu suchen, der ja nur drum abgehauen ist um eine Geburt im Zimmer neben an zu leiten. Als ich rein kam waren es nur mehr wenige Wehen, die spannendste Phase einer Geburt, und dann, mit einem flutsch war das niedliche tibetische Maedchen geboren- wir legten sie auf ein Brett mit dem Kopf nach unten damit das Atmen und abhursten erleichtert wird. Etwas seltsam fand ich, dass die Mutter das Kind nie wirklich in die Haende bekam, auch in den folgenden Tagen sah ich immer nur ihre 2 Freundinnen damit herumlaufen. Doch sie hatte auch einen argen Dammriss und wir mussten gestern nochmals die naehte entfernen und neu naehen. Ich musste wieder fast heulen, ich finde das sooo ruehrend! Danach gings wieder ins Emergency Zimmer in dem eine hysterische indische Frau lag, die sich dauernd die Hand in den rachen steckte um das bissi Magensaft zu erbrechen, das noch ueber war. Wir untersuchten sie was echt schwer war bei dem Herumgefuchtle. Was allerdings echt schoen ist: hier kommt jeder mit angehoerigen, die sich ruehrend kuemmern und Tag un Nacht die Pflege uebernehmen. Gleichzeitig kollabierte dann noch eine alte Frau am gang, die einen Schlaganfall erlitt, wir machten einen Neurostatus auf indisch und am naechsten Tag verpackten dann die Angehoergien die Frau in einen Rollstuhl um sie ueber eine Stunde ins naechste Spital zum CT zu fuehren, das natuerlich einen Insult ergab. Die Familien tun hier echt alles um ihren Patienten bei zu stehen, jene die alleine waeren, werden von Moenchen versorgt....So schoen, soviel Mitgefuehl- so an der Basis von medizinischer Versorgung- unsere Hygieneprofessoren wuerden schon eine Blutvergiftung vom reinen zusehen erleiden :) krieg grad ur Hunger und werd mir was nettes zum Happern suchen. Tibet. Essen ist uebrigens seeeehr mild- ideale krankenkost :)
bis ganz bald!
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1 Kommentar:
hallo uta
echt spannend und hochinteressant, was du so berichtest. na und erst deine ersten erlebnisse im krankenhaus, bin schon neugierig, welche krankheitsfälle da noch so auf dich zukommen werden. so scheint es dir ja recht gut zu gehen und emotionen halten dich auch schön auf trab, einfach toll. wir fahren morgen für ein paar tage in den süden, vielleicht doch bis ans meer, ohne bestimmten ziel. also mache es weiterhin so gut und ich wünsche dir viele schöne erfahrungen. gruß maria
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