Montag, 25. Juni 2007

Bloody Monday

doofer kleiner Affe der die Kekse gefressen hat...
blick von meiner terasse auf den ueber 5000m hohen Berg dessen namen ich noch nicht kenne..
Stupa (Tempel) im 'Zentrum" von Mc Leod. rund herum sind gebetsmuehlen angebracht die von den tibetern gedreht werden und schon frueh morgens erklingen...

Gut, auch auf 1800m in Nordindien kann man einmal einen wahren Scheisstag haben. Nachdem mein liebstes Fruehstueckslokal noch nicht offen hatte, da heute Montag ist und das bedeutet so viel wie Sonntag bei uns, sperren alle Laeden irgendwann auf oder auch gar nicht, je nachdem wie es ihnen gefaellt. Also hab ich mir einen Ersatz gesucht. Das war ja noch gar nicht mal uebel, doch als ich mich dann auf den Weg Downhill gemacht habe, musst ich so 500m nach der letzten Taximoeglichkeit feststellen, dass es zu regnen begann. Ok. Immer noch in Ordnung da ich ja einen total coolen Regenponcho dabei habe. Ich geh so dahin, und der Sand auf der so fortgewaschen wird sammelt sich zwischen meinen Zehen- schon lustig, dass man immer dann Sandalen anhat, wenn man sie nicht braucht- oder doch? Der Regen wird so stark dass selbst der Poncho aufgibt, die Hose hat sich mittlerweile bis ueber die Knie angesogen, ich latsche Knoecheltief in den Fluten die die broeckelige Bergstrasse runterstroemen. An jedem anderen Tag fahren Taxis vorbei. Nur heute nicht, also komme ich durchgwagt im Krankenhaus an, geb die Unterlagen fuer den Chef ab, die gluecklicherweise im Rucksack trocken geblieben sind und nehme ein Taxi in die Stadt hinauf, um mich umzuziehen. Der Taxifahrer erwaehnt irgendetwas von einem Streik,nicht gewillt nur irgendwie zu warten, und dampft ab. Ich eile in den dritten Stock, zuecke meinen Schluesselbund und muss feststellen, dass der Schluessel nicht da ist. Tres bien. Also nichts wie runter in die Rezeption, die haben gott sei dank noch Ersatzschluessel, wobei von den 5 am Bund nur einer funktionierte. Ich zieh mich um, runter auf die Strasse, dort liegt der Schluessel den ich anscheinend beim Aussteigen verloren habe. Vor zum Taxistand nehme ich noch Buntstifte fuer einen kleinen Moench mit den man gerade begonnen hat auf tuberkulose zu behandeln, und der ganz allein in einem riesen Zimmer im Krankenhaus liegt. Die Taxifahrer verweigern mich zu fuehren. Ich steh fragend im stroemenden Regen und wundere mich nur mehr ueber einen derart excellenten Start in die Woche- zumindest fuer uns Westler. Schliesslich erbarmt sich noch ein Fahrer und Schippert mich die Ueberfluteten Strassen zum Hospital runter. Der Vormittag verlaeuft ruhig mit einigen Deutschen die ich ueber ihre DiarrhoeBehandlung aufklaere und einer Koreanerin der ich einen positiven Schwangerschafttest ueberreichte, worauf sie in Traenen ausbrach und ihr indischer Freund mich unterschwellig um das Einleiten eines Schwangerschaftsabbruchs bat, da sie ja nur Yogaausbildung machen wuerde um gleich mal wieder nach Korea abzuduesen. Eine echt verzwickete Situation, doch die Loesung scheint fest zu stehen- zumindest fuer den Inder. Ich hab mir sagen lassen, dass Buddhisten niemals eine Abtreibung durchfuehren wuerden.
Ich nutze die Zeit bis zur Abfahrt in die Klinik in Mc Leod mit Dr. John um mir was zu futtern rein zu stellen. Im einzigen Restaurant in Hospitalsnaehe kann man eigentlich nur die fried momos essen, also bestell ich die bei der vorbei laufenden, jungen Koechin. Als nach 15 min immer noch nichts da ist frag ich mal nach, jaja, Momos sind leer. Nagut, dann nehm ich halt fried rice, pricklend. Auf den wart ich auch noch mal 15min. Ich mach ihnen ein bisschen Streeesss und schlinge dann soviel wie geht in mich rein, immer die Strasse beobachtend, ob eh der Arztwagen noch nicht vorbeifaehrt. Als ich zahlen will, muss der Besitzter erst Wechselgeld holen gehen. Ich sitz auf Nadeln. Laufe den Berg hoch zum Abfahrtspunkt und hoere um die Kurve vor mir ein Auto wegfahren. Das Arztauto. Mir ist nach Schreien und Weinen und ich latsche einfach den Berg hoch in der ziemlich drueckenden Schwuele eines Tages vor dem Monsun, einige Hoehenmeter mit hupenden Auto, voller Blase, zwickenden Bauch,..... Ich rufe Reinhard an, der uebrigens auch einen Kak Tag hatte und wir setzen uns in die Chocolate Log um Chocokuchen zu mampfen. Das freut das Herz und hebt die Stimmung...vielleicht wirds ja doch noch was mit diesem Montag....

Ansonsten habe ich eine Buddhistische Weisheit gelernt: mit Peace laesst sich alles besser loesen.
Bloss keine Hektik. Bloss kein Grant. Vor allem wenn man mit einer Schachtel Kekse auf der Terasse sitzt und sich von drei Seiten Affen anprischen. Frech, direkt und unverschaemt, auf klatschen fast schon aggressiv reagierend, springt er neben mir auf den Tisch und schnappt sich die angerissene Packung Kekse leert sie auf den Boden. Schnappt sich noch die geschlossenen Packung und macht sich dran, fein saeuberlich (er putzt die Kekse noch ab bevor er sie isst) alle Kekse aufzumampfen und gleichzeitig vor seinen Kollegen zu beschuetzen. Er faengt sogar an herzukroebeln als wir versuchten ihn los zu werden. Es ist nicht zu spassen mit den Viechern, die haben ganz ekelhafte Zaehne. Also ab sofort heissts. Hasst du die eine Packung Kekse mir geklaut, biete ich dir auch gerne die zweite an :)
Bei meiner Diplomarbeitsrecherche hat sich auch eine wichtige Wende ergeben. Hier im Delek Hospital gibt es endlos viele Tuberkulosepatienten. Und das ist der Grund, warum ich als Mitarbeiterin auf Zeit fuer das Delek eine Umfrage starten werde, um dann das geeignete Aufklaerungsprogramm starten zu koennen, und gleichzeitig Daten zu sammeln, die es der RNTCP, dem Indischen Programm zur Tuberkulosebehandlung erlauben wird, eine gute Unterstuetzung fuers Delek aufzufahren. Bin total gluecklich darueber, da ich was sinnvolles mache und daraus gleichzeitig meine Arbeit formen kann. Echt schoen und ein gutes Gefuehl.

1 Kommentar:

DocSeppi hat gesagt…

Wow, wiedermal ein wahnsinns interessanter artikel!!! Steck bei der nächsten gelegenheit im tempel für uns auch gleich ein räucherstäbchen an, bitte.
Lg, Seppi